Heute ist der 13. September, wir sind seit zwei Tagen in Philly.
Die letzte Woche in Hirschluch verging irgendwie doch sehr schnell, auch wenn es mir zwischendurch ein wenig zu anstrengend, manchmal auch langweilig war…
Mit 130 Leuten haben wir in Projektspezifischen Arbeitsgruppen, kurz PÄÄÄGs über Themen gesprochen, die uns beschäftigen, über Situationen, die uns bei der Arbeit passieren können, über ASF und unsere Einstellung zu verschiedenen Themen, so wie über die Zeit kurz bevor wir unseren Dienst angefangen haben.
Außerdem haben wir uns zweimal in unserer Ländergruppe getroffen, mit insgesamt 24 Leuten + Theater. Am ersten Abend haben wir da eigentlich nur so organisatorisches besprochen, beim zweiten Mal, haben wir aber ein kleines Quiz über die USA gemacht, Brownies gebacken und Popcorn gemacht.
Am Sonntag mussten wir alle um 6Uhr aufstehen, um in verschiedene Gottesdienste in Berlin zu fahren. Ich war in Berlin Charlottenburg in einem sehr gut vorbereiteten Gottesdienst mit Taufe und Abendmahl, an dem wir drei Freiwilligen mitwirken konnten. Nach dem Gottesdienst haben wir Freiwilligen uns entweder in Neukölln oder am jüdischen Museum um da an Führungen teil zu nehmen, wenn wir uns früh genug auf die Listen dafür eingetragen haben.
Ich bin zwar mit zum jüdischen Museum gegangen, habe da allerdings nicht an der Führung teilgenommen, weil die Liste schon voll war.
Statt dessen habe ich meinen Großcousin Stefan besucht, der drei Straßen weiter eine 20x5m große Wand besprüht hat.
Montag konnte meine PÄG dann ausschlafen, es gab ab 11Uhr einen Brunch, gefolgt von zwei Vorträgen über andere Projekte die es bei ASF gibt und die Geschichte von ASF. Der zweite Vortrag war von Christian Staffa, dem Geschäftsführer von ASF, was in so fern ganz lustig ist, weil er der Vater meines zukünftigen Mitbewohners Ruben ist.
Dienstag hatten wir dann Workshops. Es gab Workshops zum Thema Antisemitismus, Stereotype/Vorurteile, Sinti und Roma, kreatives Schreiben, Musik, Kunst, Tanzen, Kochen und Wandern. Ich war im Video-Workshop, ich wurde nämlich angesprochen, ob ich nicht einen kleinen Film über die Zeit in Hirschkuhluch machen könnte, als eigener WS. Dafür bekam ich dann noch Hilfe von einem meiner USA-Kollegen, Simon, der schon eine Ausbildung als Mediengestalter Bild und Ton absolviert hat.
Mit Kamera(ohne Stativ, Mikro, Fokushilfe, o.ä.) haben wir uns auf den Weg gemacht und am Ende ca. 8 Minuten Film gezeigt. Den Film haben wir allerdings intelligenter Weise in Full-HD rausgerendert also ist er jetzt 10GB groß. Das muss ich nochmal ändern und dann bekommt ihr den auch zu sehen;)
Beendet wurde der Film von Vorführungen aus dem Musik-WS mit Wonderwall, Hit me Baby one More time und Funk her Gently, so wie des Schreiben-WS’. Danach haben wir noch lange Impro-Theater gespielt, an dem ich mich beteiligt habe, was mir durchaus Spaß gemacht hat, was die Leute wohl auch so gesehen haben.
Mittwoch sind wir dann ins Haus der Wannseekonferenz gefahren, dort hatten wir erst ein Zeitzeugengespräch mit einer 89-jährigen, die in Theresienstadt im Ghetto war. Danach haben wir erst einen Film über ein Jugend-KZ gesehen und eine sehr lange, umfangreiche Führung durch die Ausstellung gehabt.
Mittwoch Abend merkte man den Leuten schon die vorherigen Nächte an, allerdings war ich bis 2Uhr wach und habe mit meinem Zimmernachbarn Jacob, der jetzt in Israel ist, die rumstehenden Bierflaschen eingesammelt. Das waren immerhin 145 Stück und das hat uns 11,6€ eingebracht.
Freitag Abend waren dann die Vorführungen aus den Ländergruppen. Davon habe ich allerdings nicht so viel mitbekommen, weil ich bis 20:30 mit Simon am Videoschnitt saß. Um halb zehn kam dann unsere USA-Performance in der wir unser symbolisches letztes Bier “zu Grabe getragen”, BarbieGirl und YMCA getanzt habe. Danach kam noch unser Film und ein Vortrag von einem Text von Rilke. Um ca. 22Uhr ging dann die grandiose Abschiedsparty los.
Um halb 2 bin ich ins Bett gegangen, mit der Bitte an Jacob, dass er mich um 3:15 weckt, da er sich schon um 3:30 auf den Weg zum Flughafen und nach Israel machen musste. Das scheint nicht so gut geklappt zu haben, denn um 4:15, als ich schon eine Viertelstunde zu spät war, standen Simon und Philipp bei mir im Zimmer, um mich darauf aufmerksam zu machen, dass ich offensichtlich verschlafen hatte. Irgendwie haben wir es dann geschafft, innerhalb von fünf Minuten meine noch nicht gepackten Sachen zu packen und zum Treffpunkt zu laufen. Naja, immerhin kam der Bus auch erst um 5Uhr, ich habe trotzdem richtig Glück gehabt.
Mit dem Bus sind wir dann zum Bahnhof gefahren, von da zum Hauptbahnhof, von da mit einem vollen Linienbus zum Flughafen. Als wir dann alle da waren und natürliche Hindernisse wie unklare Beschilderungen und Drehtüren passiert hatten standen wir vor dem Check-In Schalter und warteten, dass wir einchecken konnten. Während der Zeit bekamen einige noch “Abschiedsbesuch”, eigentlich nur Berliner, meine Brüder, meine Nichte und mein Neffe waren aber auch noch da, worüber ich mich echt gefreut habe.
Als ich dann zum einchecken kam habe ich echt blöd geguckt. Wir hatten eine Gepäckbegrenzung von 23kg. Beim Wiegen zu hause habe ich die noch gehalten, in Hirschluch waren es dann 24kg, die Waage am Flughafen zeigte dann aber doch 27,2kg an. Theoretisch wären das schon 100€ für Übergewicht gewesen, aber der nette Lufthansa-Angestellte hat das ignoriert.
Tja, dann waren wir irgendwann im Flugzeug nach Frankfurt, sind ca. 60 Minuten nach Frankfurt geflogen, wo wir nochmals ca. 2h Aufenthalt hatten. Die Zeit verging irgendwie doch sehr schnell und dann saßen wir schon im Flieger nach Philly. Der Flug war verhältnismäßig angenehm, wir sind BusinessEconomy-Class geflogen, hatten ein umfassendes Entertainment Programm, zweimal Essen, und achja, Tomatensaft schmeckt auch über den Wolken mit Pfeffer/Salz komisch.
Nach 8 Stunden sind wir dann gegen 4:45pm(16:45) gelandet. Alle waren sehr kaputt und waren dann echt froh, dass wir alle unsere 12-monatige Aufenthaltserlaubnis bekommen haben, was wirklich nicht selbstverständlich ist.
Vom Flughafen hat uns unsere Länderbeauftragte Magdalena abgeholt, unser Gepäck wurde in Mini-Vans verladen und wir haben uns mit Bahn, Bus und zu Fuß auf den Weg zu unserem Hostel gemacht, in dem wir diese Woche verbringen.
Erste Eindrücke von Amerika waren:
- kalt, wegen der Airconditions indoor
- angenehm warm bis schwül outdoor
- zum ersten mal mit Dollars bezahlen
- “Hat hier jemand Empfang”
- Riesenkarren
- lange Strecken mit dem Zug
- lange Strecken mit dem Bus von der Central City über sehr kaputte Viertel zu einem besseren Viertel
- langer Fußweg im Dunkeln zum Hostel
Das muss jetzt auch erstmal reichen von mir, die Woche in Philly werde ich dann nach und nach updaten.
Viele Grüße nach Hause!
